Fernweh Festival 2017: Holger Heuber mit “Up North” und was sonst so war…

Der letzte Vortrag am Fernwefestival ist ja traditionell ein Klettervortrag, in dem wir ebenso traditionell in der Pause gehen weil Klettervorträge normalerweise unerträglich sind. Diesmal machte Holger Heuber mit seinem Paddelvortrag “Up North” den Abschluss – es war wie ein Klettervortrag, nur mit Paddeln…! Und dann waren da ja noch Willi Weitzel, Dirk Bleyer, Irland und “Die Donau”.

Was sonst so war…

Nicht jeder Referent erkennt, dass zu einem guten Vortrag mehr als nur gute Bilder gehören. Eine gute Erzählung zum Beispiel. Wenn man, wie bei “Die Donau” von Martin Schulte-Kellinghaus die gesamte Story todlangweilig und reiseführermäßig vom Blatt abliest, wird’s für den Zuschauer anstrengend. Ebenso erkennt nicht jeder Referent, dass ein Vortrag mehr braucht, als die Urlaubsfotos und -erzählungen der letzten Familienunternehmung (Irland von Frank Zagel). Auch Mario Goldstein (den ich sehr mag) hat uns diesmal keinen Gefallen getan. Er hat seinen Vortrag “5 Jahre, 5 Meere” gezeigt. Wir sind im Besitz der DVD zum gleichen Thema, bei der man leider jedem investierten Cent hinterhertrauert. Ich gehe davon aus, dass der Vortrag um Welten besser ist, aber wir waren trotzdem nicht mutig genug. Dirk Bleyer hatte gleich drei Vortragsslots bekommen (Masuren, Südafrika und Thailand), was ich persönlich im Verhältnis etwas viel fand. Willi Weitzel hat trotz schwerer Beinverletzung seinen Vortrag durchgezogen, was das junge Publikum begeisterte, und Petra & Gerhard Zwerger-Schoner haben mit “Neuseeland” wieder einen Hochglanzvortrag abgeliefert, der sich sehen lassen konnte.

Holger Heuber mit “Up North”

Aber dann war da noch Holger Heuber mit seinem Vortrag “Up North”. Holger Heuber ist ein Extremkletterer aus der fränkischen Schweiz. Der, was wir nicht wussten, ein guter Kumpel von Stefan Glowacz ist. Hätten wir das gewusst, hätten wir ahnen können, was uns geboten wird. Ich hab mich ziemlich auf “Up North” gefreut, weil ich die kalten Länder dieser Erde toll finde, und weil der Vortrag nämlich von einer Live-Band begleitet werden sollte. Sowas gab’s noch nie!

Ich verreiße nur ungerne einen Vortrag, weil ich weiß, dass da viel Arbeit drinsteckt. Aber andererseits bezahlt der Zuschauer auch Geld dafür, in diesem Fall 19 Euro. 19 Euro dafür, dass ein selbstgefälliger Holger Heuber vorne auf der Bühne steht und von einer äußerst langweiligen Reise mit Stefan Glowacz und dessen Kindern erzählt, über die Stefan Glowacz in seinem Vortrag doch auch schon lang und breit erzählt hat. Gespickt ist das Ganze mit dermaßen viel leuchtenden Marmot-Klamotten, dass man irgendwann nicht mehr weiß, ob man nun in einem Reisevortrag sitzt oder auf einer Modenschau. Zum Glück war ich so fasziniert darüber, dass man auf Paddelfotos das Paddel tatsächlich immer so halten kann, dass möglichst gut der Sponsorenname auf der Paddelunterseite sichtbar ist und das Ganze trotzdem noch halbwegs authentisch aussieht, dass ich von der Story gar nicht mehr so viel mitbekommen habe. Die für mich beste Szene des Vortrags war, als die Reisenden am Ende bei Einheimischen zum Essen eingeladen werden, dort beim Abendessen im Wohnzimmer sitzen und selbst da einer von ihnen noch seine Marmot-Daunenjacke anhat. 

Insgesamt ging der Vortrag ungefähr so (so ungefähr hat es Holger Heuber zumindest zig Mal erwähnt): “Naja, wir wurden vom Fernwehfestival angefragt, also mussten wir einen Vortrag auf die Beine stellen, aber wir hatten nicht genügend Material. Also sind wir mal irgendwohin gefahren und haben ein bisschen gefilmt, aber dann hatten wir immer noch nicht genügend Material, also sind wir noch woanders hingefahren und sind da ein bisschen rumgepaddelt und irgendwann hatten wir dann den Vortrag voll.” Deshalb war wohl auch der Höhepunkt des Vortrags als plötzlich die Drohne weg war. Die Drohne, stellt Euch das mal vor! Da ist man in der Wildnis und dann ist die überlebenswichtige Drohne weg. Gottseidank wurde sie wiedergefunden, sonst wären wir ja nicht in den Genuss dieses wahnsinns Vortrags gekommen.

Einer unserer Begleiter hat’s richtig gemacht und ist in der Pause gegangen. Wir haben in der Hoffnung auf Besserung ausgeharrt. Leider. Die Live-Musik von Eisi & Band war allerdings wirklich gut. Beim nächsten mal gehen wir lieber zu einem Konzert von Eisi und lassen den Vortrag einfach weg.

Der Lars will auch noch was sagen:

Dank meiner neuen Marmot-Daunenjacke hätte ich in “Up North” super mitspielen können!

Es fehlen ein paar Worte zum Inhalt des Up-North-Vortrags! Man muss sich das mal vorstellen: Für die Bilder, die Holger in seinem Vortrag verwendet, ist er mit einem wirklich kleinen Flugzeug auf eine kleine Aleuteninsel geflogen. Dort hat er sich nur mit Bärenspray und ca. 40 Kilo Gepäck bewaffnet auf den Weg zu einem Vulkan gemacht. Unwegsames Gelände ist ohne Gepäck und ohne das Wetter der Aleuten schon nicht immer schön, mit aber sicherlich noch unangenehmer. Nach ein paar Tagen Wanderung erreicht Holger mit seinen Kumpanen dennoch das Ziel: Den Kratersee, aus dem sich ein Fluss ergießen soll. Diesen Fluss wollen sie mit Packrafts runterpaddeln und so durch eine Meerespassage zurück in die Zivilisation finden. Trotz starker Winde, kaltem Wetter und mehr Wildwasser als einem Packraft wohl lieb sein kann, kommt die Truppe dann doch noch am Meer an. Dumm nur, dass im weiteren Verlauf des bis hierhin ziemlich ereignislos dahinplätschernden Abenteuers auch noch eine wohl etwas höhere Flut den Rucksack mit den Essensvorräten wegschwemmt. Oder war es doch ein Bär, der sich bedient hat? Jedenfalls war es das dann mit dem Abenteuer. Satellitentelefon raus, einen verwegenen Buschpiloten anrufen und sich ausfliegen lassen war hier anscheinend die letzte Option. Der Mensch im allgemeinen ist doch schon ganz schön verweichlicht. Könnte man die letzte drei, vier Tage nicht auch ohne Lebensmittel auskommen oder sich Proviant vom Flugzeug aus abwerfen lassen? Diese Frage bleibt wohl unbeantwortet.

Hier geht’s zur Homepage von Holger Heuber und hier zur Homepage von Eisi & Band

Ausblick: Das Freiträumer Festival in Plauen

Vor einiger Zeit haben wir Mario Goldsteins Freiträumer-Magazin zugeschickt bekommen. Das lag dann erst ein paar Wochen auf unserem Sofa herum, bist ich schließlich angefangen habe, es durchzublättern und sofort hellauf begeistert war. So ein tolles Heft mit vielen Hintergrundinformationen zum Freiträumer Festival. Das Magazin hat sowas von Lust auf das Festival gemacht, dass Lars und ich nicht lange überlegt haben und uns Tickets gekauft (es gibt Platzkarten!) und ein Hotelzimmer gebucht haben. Nachdem das Fernwehfestival in Erlangen nächstes Jahr ausfällt, ist das eine gute Gelegenheit, mal was anderes zu testen. Wir sind sehr gespannt!

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