Olé, olé, oh je, oh je, Algarve (Portugal, Tag 13)

algarve-12Wusstet Ihr, dass die Algarve nicht am Meer liegt? Naja, irgendwie natürlich schon, aber anders, als wir dachten. Hier gibt es keine Küstenstraßen oder Strandpromenaden. Alle Städtchen und Dörfer liegen mehr oder weniger ein Stück im Inland; die Strände müssen gezielt angefahren werden. Was an der “atemberaubenden Westküste”, die wir auf Empfehlung des Lonely Planets entlanggefahren sind, so atemberaubend sein soll, hat sich uns deshalb nicht erschlossen. Das Meer sieht man von der Straße aus nämlich nie.

Laut Lonely Planet ist die Westküste der Algarve nicht nur atemberaubend, sondern auch abgeschieden. Das haben wir ganz besonders am Cabo de Sao Vicente zu spüren bekomen, dem südwestlichsten Punktalgarve-11 Europas (danach kommt nur noch Amerika). Dutzende von Reisebussen und bestimmt hundert Autos standen dort am Straßenrand, während deren Insassen am Kap herumstolperten. Unglücklicherweise ist das Kap, so wie die gesamte restliche Algarve auch, fest in deutscher Hand. Deutsche vom Typ “pensionierter Lehrer mit weit zum Knie hochgezogenen Socken in Sandalen”.  Und so wirklich was zu sehen gab es auch nicht – das Kap hüllte sich in dichten Nebel. Dafür war das im Sekundentakt schallende Nebelhorn umso lauter und hat uns zu einem schnellen Rückzug bewogen.

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Nix zu sehen am Kap.

Auf der Weiterfahrt haben wir den ein oder anderen Strand angesteuert, was gewisse Überraschungen mit sich brachte: Man fährt zwei Kilometer eine verlassene Straße in schlechtem Zustand entlang und träumt von einem Spaziergang an einem einsamen Strand. Am Ende wartet aber ein komplett zugeparkter Großparkplatz. Nix also mit Einsamkeit. Dennoch sind die Strände – zumindest die, an denen wir waren – überraschend unerschlossen. Das heißt aber auch gleichzeitig, dass es so gut wie keine Toiletten gibt und daher günstige Stellen zu einer wahren Kloake verkommen. Und naja, das Wetter hat direkt am Meer auch nicht immer so mitgespielt (siehe Fotos unten).

Anstatt am Strand haben wir in einem total niedlichen, über und über mit Blumen bepflanzten Mini-Dörfchen auf einer Bank unser Baguette und unseren Ziegenkäse ausgepackt und zu Mittag gegessen. Auf dem Weg zur lokalen Mülltonne (jedes Dorf hier hat einen Platz an dem alle möglichen Müllcontainer stehen, z.B. für Plastik, Metall, Papier…) ist uns dann sogar unglaublicherweise noch ein öffentliches Klo begegnet. Das war praktisch für uns, hat aber auch gezeigt: Im Sommer stehen hier wahrscheinlich an jeder Ecke (französische) Wohnmobile, so dass man selbst in einem 100-Einwohner-Kaff noch ein öffentliches Klo braucht. Gut, dass es schon Oktober ist.

Das wirklich Interessanteste an der Westküste für uns war, dass wir wieder durch Waldbrandgebiete kamen. Zwar gab es dort kein aktuelles Feuer, aber die Schäden des letzten Brandes waren deutlich zu sehen und zu riechen. So ein abgebrannter Wald wirkt gleichzeitig gespenstisch und faszinierend. Ich würde gerne wissen, wie viele dieser Bäume tatsächlich noch leben.

Dann war es schon fast wieder Zeit für die Unterkunftsuche. Eigentlich hatten wir geplant, in Portimao abzusteigen, einer 50.000 Einwohnerstadt mit günstiger Autobahnanbindung, da wir am nächsten Tag um 11 Uhr den Mietwagen abgeben mussten. Portimao hat sich aber als erschreckend hässliche Stadt herausgestellt. Dort gibt es Slums, die locker mit denen in Asunción mithalten können. Gegen die Baracken, die in Portimao herumstehen, wirken die (vermutlich) staatlich gesponserten Spanplatten-Hütten in Paraguay richtiggehend luxuriös. Wir sind dann in Ferragudo gelandet, das natürlich auch nicht direkt am Meer liegt – die Hotels bieten dort sogar kostenlose Shuttles zum Strand an. Auch dort sind eine Menge zwielichtiger Gestalten herumgelaufen. Im Lidl-Supermarkt (ich war noch nie in meinem Leben so oft bei Lidl wie hier!) gab es sogar Wächter. Dass ein Kind Erdnüsse geklaut hat, haben sie trotzdem nicht gesehen… (wir aber schon!).

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