Ein Tag in der Wildnis. Eine Zusammenfassung.

Es ist 14 Uhr. 
Ich spüre meine Schultern kaum mehr. Die Moskitostiche jucken. Eine gute Stelle zum Zelten zu finden ist aufgrund des gestrüppartigen Unterholzes schwierig, die Fortbewegung mit dem schweren Rucksack für mich ziemlich heftig. Ich habe dauernd das Gefühl ich kippe ich nach hinten um. Die ersten Rentiere sind uns über den Weg gelaufen (sehr knuffig). 

Fakten (von Wikipedia geklaut):
– Minus 0,3 Grad Jahresdurchschnittstemperatur in dieser Gegend
– an 200 Tagen im Jahr gibt es hier eine geschlossene Schneedecke von ca. 90cm Höhe

Moskitostatus:
Jaja, man hat uns gewarnt. Wir konnten uns das trotzdem nicht vorstellen. Die Moskitos sind Millionen. Die Mistviecher machen jegliches Anhalten unmöglich. Aufs Klo zu müssen sollte man tunlichst vermeiden. Das Deet-Anti-Mücken-Zeugs wirkt zwar kurzzeitig, aber schon ein paar Minuten später greifen die Mücken wieder zu hunderten an. Wenn man sie tötet ist alles voller Blut. Und sie stechen auch ungeniert durch die Kleidung. Wie von uns geplant am Flussufer zu zelten kann man vergessen. 

Bestätigte stereotype Vorstellung des Tages:
– Durch den Wald rennende Finnen in Trainingsanzügen

Mentaler Status:
Romantisch und naturnah, auf Gepäck und Moskitos würden wir gerne verzichten – beides macht uns gleichermaßen zu schaffen.

Strecke des Tages:
7 Kilometer

Wetter:
Es sieht stets verdammt nach Regen aus, hat aber bis jetzt ganz gut gehalten. Um die 16 Grad, mäßiger Wind. 

Essen:
Salamistangen, Brotreste, Tütencappucino (extrem scheußlich)

***

16 Uhr
Für jeden getöteten Moskito kommen 200 neue nach. Spaß sieht anders aus. Ich habe Druckstellen an den Hüften, und auch der Lars – der das GANZE Essen für 8 Tage tragen muss – ist mit der Gepäcksituation nicht so glücklich. Wir fragen uns, wo der Fehler liegt – andere machen die Tour doch auch? Die meisten allerdings wie es scheint ohne Zelt, Kocher und Isomatte. Es gibt Hütten auf der Strecke, wenn man Pech hat sind sie voll. Darauf wollten wir uns nicht verlassen, mal davon abgesehen dass wir nicht mit lauter Fremden auf engstem Raum schlafen wollen. Deshalb haben wir die extra Kilos im Gepäck. 

16.30 
Wir sitzen vor unseren Zelten, und ein Gedanke lässt uns nicht mehr los. Etwas, das eigentlich nur so dahingesagt wurde. Etwas, das als Witz gemeint war, sich aber irgendwie festgebrannt hat. “Komm, wir fahren zum Nordkap”…. 

17:00
Wir haben bei Sixt in Kuusamo angerufen. Und nach einem Mietwagen gefragt. Eigentlich gibt es keinen freien Mietwagen und der zuständige Mensch hat heute außerdem einen Tag frei. Aber die nach wie vor hammermäßig freundlichen (und sehr gesprächigen) Finnen zeigen sich flexibel. Der freie Tag wird unterbrochen, von irgendwo her ein Auto organisiert. 

Jetzt steht es fest: Aus der Trekkingtour wird ein Roadtrip. Wir werden Lappland komplett durchqueren und zum Nordkap fahren. 800km sind es bis zum Ziel. Geschlafen wird natürlich trotzdem im Zelt. 

22:30
Wir sind 150 Kilometer gefahren. Immer nach Norden. Alle paar Kilometer blockieren Rentiere die Straße. Ich würde am liebsten eins mitnehmen, so süß sind sie. Irgendwann hat es angefangen zu regnen. Und nicht mehr aufgehört. Im strömenden Regen haben wir den Polarkreis überquert. Jetzt sitzen wir – nach einem leckeren Nudel-Fertiggericht, liebevoll im Trangia zubereitet – vor einem Lagerfeuer, das der Lars gezaubert hat. Es ist wahnsinnig gemütlich. Der Atem dampft.

Nordkap, wir kommen! Ja, so haben wir uns das vorgestellt. 

P.S. Fotos gibt’s heute leider ausnahmsweise mal keine. 

3 Kommentare

  1. hahahahaha ihr seit genial!
    Ich hab euch vor den Mücken gewarnt, die sind so böse, aber Nordkap ist auch total cool, im wahrsten Sinne des Wortes. Steht auch noch auf meiner to-do-Liste. Und Finnen sind und bleiben einfach die tollsten Menschen der Welt. In Deutschland wäre nicht mal einer ans Telefon gegangen, geschweige ihr hättet ein Auto bekommen! Gute Fahrt und ich freu mich auf den weiteren Bericht und später dann Fotos!!

  2. weiss gar nicht mehr,wie ich in Euren tollen Blog gekommen bin – diese Nordtour finde ich faszinierend und Euch sehr mutig. War vor x Jahren selbst da oben -die Mücken in der Erbsensuppe in der Jugendherberge in Inari sind mir unvergesslich. Glückwunsch zum Mietauto!

  3. hallo Ihr zwei,

    Vielen lieben Dank für eure Kommentare, mittlerweile, es ist Mittwoch um 17:15 Uhr, sitzen wir zu einer kurzen Pause in einem Café in Inari, wir wollen noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen aber danach suchen wir uns einen Platz für die Nacht. Allerdings wollen wir auch noch ein paar Kilometer schaffen, das Nordkapp soll genossen werden können.

    Grüße

    Lars

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