Dinner in the Dark – Ein Erfahrungsbericht

Lars und ich beim Dinner in the Dark

Lars und ich beim Dinner in the Dark

Zu unserer Hochzeit hatten sich Lars’ Kollegen ein findiges Geschenk ausgedacht: Einen Gutschein für ein “Dinner in the Dark”, ein Abendessen in stockdunkler Dunkelheit. Ich wollte so etwas schon immer mal machen und war dementsprechend begeistert. Allerdings musste ich mich zunächst in Geduld üben: Die Termine sind Monate im Voraus ausgebucht, so dass wir erst jetzt, eineindreiviertel Jahre nach unserer Hochzeit, in den Genuss kamen, dieses besondere Dinner auszuprobieren.

Die Location, in der das Dinner in the Dark stattfinden sollte, war schon gleich ein Volltreffer (dort hätte man es auch im Hellen ausgehalten): Der wunderschöne Pörtnerhof im wunderschönen Seßlach bei Coburg. Seßlach hat mich total umgehauen – ein mittelalterliches Städtchen (4.000 Einwohner) mit einer Stadtmauer drumherum und einer Menge wirklich alter Gebäude. Der Pörtnerhof selbst war in einem alten, traumhaften verwinkelten Fachwerkhaus untergebracht. Leider waren alle Zimmer schon ausgebucht, sonst hätten wir dort auch gerne übernachtet.

Angenehme Dunkelheit

An unserem Achtertisch hatten wir viel Spaß.

Zusammen mit uns hatten sich 21 weitere, bunt gemischte Gäste zum Dinner in the Dark eingefunden. Bei einem Glas Prosecco konnten wir uns kurz kennenlernen und versuchen, unsere Aufregung in Schach zu halten. Ich wusste wirklich nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich mehrere Stunden bei völliger Dunkelheit in einen Raum eingesperrt bin, und war dementsprechend nervös. Außerdem machte mir zu schaffen, dass Heike, unsere superfreundliche Kellnerin & Betreuerin, uns einschärfte, während der Veranstaltung möglichst nicht aufs Klo zu gehen. Hätte ich das doch mal vor dem Prosecco gewusst…

Schließlich wurden wir, jeweils zu viert über eine Schleuse, in den Gastraum geführt. Dieser war, nunja, stockdunkel. So eine Dunkelheit kennt man eigentlich überhaupt nicht. Es gab wirklich nicht den mindesten Lichtschein. Entgegen meiner Vermutungen war die Dunkelheit jedoch nicht beklemmend, sondern sonderbar befreiend. Man musste sich keine Gedanken darüber machen, wie man aussieht und wirkt und konnte ebensowenig über das Erscheinungsbild des Gegenübers urteilen. Stattdessen kamen im Nu an allen Tischen rege Gespräche auf. Die erste Erkenntnis: In der Dunkelheit brüllt man. Ist irgendwie logisch, da man weder weiß, wie weit der andere weg sitzt, noch, ob er versteht, was man sagt, weil man ja sein Nicken oder andere Reaktionen nicht sieht. Auch die Gesprächsthemen sind irgendwie anders als im Hellen – man sieht ja nicht, wie es dem Gegenüber die Schamesröte ins Gesicht treibt, wenn man seltsame Fragen stellt…

Mit den Fingern zu essen macht Spaß!

Die Hauptspeise war besonders lecker.

Schnell fanden wir heraus, dass wir an einem Achtertisch saßen. Auch einen Überblick über die Tischdeko hatten wir uns schnell verschafft. Besteck, Serviette, Wasserglas, ein Brotkorb. Wasser mussten wir uns selbst einschenken (ging überraschend gut), Wein wurde serviert. Auch das war anders, als ich befürchtet hatte: Ich dachte, dass ständig jemand sein Glas umschmeißen würde, bzw. dass man ständig nach dem Glas tasten müsste. Aber so war das nicht. Man wusste ja, wo das Glas (ungefähr) stand. Es war kein Problem, dieses zu ergreifen.

Und dann gab es auch schon den ersten Gang. Dieser wurde in einer Box serviert, deren Deckel man waagrecht aufschieben musste. Da musste man erstmal draufkommen. Ich hatte schon vorher entschieden, größtenteils mit den Fingern zu essen, da es mir unmöglich erschien, ohne etwas zu sehen versiert mit Besteck umzugehen. Zum Glück war die Vorspeise sowieso Fingerfood (z.B. ein Champignon, ein Käseplätzchen). Höchst interessant, Geschmack tatsächlich schmecken zu müssen, anstatt etwas zu sehen und dadurch schon zu wissen, wie es schmeckt. Der zweite Gang bestand aus einer Suppe mit einem Grießknödel. Danach gab es Tafelspitz mit Steinpilzrisotto. Es war schon recht dekadent, die Fleischscheiben zusammenzurollen und sie mit den Fingern zum Mund zu führen (was icht gut meisterte – andere hatten offensichtlich Schwierigkeiten, ihren Mund zu treffen). Leider bin ich nicht auf die Idee gekommen, meinen Teller abzulecken (was andere wohl mit Begeisterung gemacht haben). Das Risotto sowie der Apfelstrudel, den es danach gab, war dann so schwierig mit den Fingern zu essen, dass ich mir das Essen dann doch mit den Fingern auf die Gabel geschoben habe. Insgesamt war das Essen hervorragend.

Kein Überblick, kein Zeitgefühl

Interessant war, dass ich keinerlei Überblick hatte, wie viel ich eigentlich esse. Ich hatte das Gefühl, dass ich deutlich mehr esse, als ich es normal tun würde. Auch die Menge der Getränke konnte ich nur schwer erfassen. Ebenso hatte ich den Eindruck, dass man den Effekt von Alkohol nicht so stark spürt, wenn man nichts sieht, da man keinerlei Fixpunkte hat.

Sich Wasser einzuschenken war kein Problem.

Als weitere Programmpunkte sollten wir singen (Hejo spann den Wagen an), wobei ich feststellte, dass ich nicht nur im Hellen nicht singe, sondern auch im Dunklen nicht. Es war aber faszinierend, einfach nur zu lauschen. Später bekamen wir außerdem Stift und Zettel und sollten unserem Gegenüber eine Nachricht schreiben. Das war sehr lustig. Ich habe meiner Tischnachbarin eine Katze gezeichnet und die überraschend gut hinbekommen. Und schließlich sollten wir schätzen, wie viel Uhr es ist. Ich war felsenfest überzeugt, dass wir maximal 90 Minuten im Dunklen verbracht hatten. Andere tippten auf drei Stunden. Schließlich kam Kellnerin Heike mit einem Teelicht herein. Man war das hell! Obwohl es faszinierend war, erstmals den Raum zu Gesicht zu bekommen (der deutlich kleiner war, als ich gedacht hätte), war ich schlagartig enttäuscht – ich hätte es noch länger in der Dunkelheit ausgehalten. Genauso schlagartig habe ich auch den Alkohol gespürt. Und ein Blick auf die Uhr ließ mich staunen: Es waren 2,5 Stunden vergangen, seit unser Dinner begonnen hatte. Eine Stunde mehr, als ich vermutet hatte! Soviel zu meiner inneren Uhr…

Blick durchs Nachtsichtgerät

Als Abschluss-Highlight durften wir noch durch das Nachtsichtgerät schauen, das Heike aufhatte, um uns zu bedienen. Das war ebenfalls eine interessante Erfahrung. Man sieht damit nicht nur schwarz-weiß, sondern auch nur zweidimensional. Das macht es mega schwer, Gegenstände zu ergreifen, weil sie nicht wirklich dort stehen, wo man sie vermutet, sondern ein paar Zentimeter dahinter.

Insgesamt war unser Dinner in the Dark eine einmalige und total geniale Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann! Und wer keine Lust auf Dunkelheit hat, kann dem Pörtnerhof in Seßlach ja trotzdem mal einen Besuch abstatten. Es lohnt sich!

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