Weltreise in zehn Tagen? Christoph Karrasch hat’s gemacht!

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Zugegebermaßen, ich war skeptisch. Seit VIVA-Moderator Michael Wigge angeblich ohne Geld – dafür aber mit einem professionellen Fernsehteam und tonnenweise Connections – bis ans Ende der Welt gereist ist, genieße ich Reiseberichte von Menschen öffentlichen Interesses mit Vorsicht. Schön, wenn sich für solche Leute durch Kontakte und Publicity Türen öffnen; mit der Reise-Realität von Ottonormalverbraucher hat das dann nur wenig zu tun. Deshalb wusste ich nicht so recht, was ich davon halten sollte, als mir das Buch #10Tage in die Hände fiel.

Christoph Karrasch ist 31 Jahre alt, Reisejournalist und Videoreporter. Und er leidet darunter, aufgrund von beruflichen und familiären Verpflichtungen immer nur Kurzurlaube machen zu können. Schon immer mal wollte er über die Golden Gate Bridge laufen, schon immer mal wollter er die Nächte in Bangkok durchmachen, schon immer mal wollte er in der Südsee tauchen lernen. Und: Schon immer mal wollte er eine Weltreise machen. Warum also nicht Kurzurlaub und Weltreise verbinden? So entsteht die Idee zu #10Tage – eine Weltreise in zehn Tagen! Fünf Städte auf fünf Kontinenten will Christoph Karrasch besuchen, statt im Hotel möglichst nur auf Nachtflügen schlafen und unterwegs auch noch allerhand verrückte Aufgaben erfüllen. Ob das mal gutgeht?

Zugegebenermaßen, noch immer war ich als Leser skeptisch. Denn natürlich hat auch Christoph Karrasch einen Kameramann und Connections mit im Boot. Die Reiseroute lässt er von seinen Followern bestimmen (Das Ergebnis: Lima – Las Vegas – Auckland – Kathmandu – Kapstadt), und auch für die zu erfüllenden Aufgaben wird online gevoted. Eine Reise für jedermann sieht also anders aus. Und trotzdem: #10Tage ist ein hammermäßiges Buch!

Denn hier wird nicht nur über einen krassen Roadtrip (oder besser: Flighttrip) berichtet, in dem sich jemand zehn Tage lang ein Leben auf der Überholspur gönnt, das man vielleicht aus fiktiven Filmen kennt, aber niemals aus der Realität. Hier wird außerdem von einem fast noch krasseren Selbstversuch erzählt: Wie fühlt sich das an, in zehn Tagen fünf Kontinente abzuklappern? Dass Christoph Karrasch hier schnell an seine Grenzen stößt stellt er schon an seinem 2. Aufenthaltsort (Las Vegas) fest: Eine Grippe fesselt ihn ans Bett, er ist ausgelaugt, möchte das ganze Projekt abbrechen. Doch die Heimreise selbst würde ungefähr 50 Stunden dauern – also kann er genausogut weitermachen. Mit halsbrecherischem Tempo geht es also um die Welt, als Leser weicht man keine Sekunde von Karraschs Seite. Man trinkt mit ihm in Lima Pisco Sour, wohnt in Las Vegas am Sunset Strip der Show eines berühmten Magiers bei, besucht in Auckland das Hobbit-Dorf und erfährt über die Realität in nepalesischen Waisenhäusern. Zusätzlich versorgt Karrasch seine Leser mit interessanten Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Aufenthaltsorten und ist sich für keinen Spaß zu schade (Paragliden in Lima, Bungeejumpen vom Sky Tower in Auckland, sich von einem Affen in Kathmandu Kekse klauen lassen). Aber ohne dass es plump wirkt!

In all seinen Erzählungen zeigt sich Christoph Karrasch dabei als außerordentlich authentisch: Mit sehr viel Ehrlichkeit berichtet er über Gedanken, Gefühle und Zweifel, und hat auch kein Problem damit, sich einzugestehen, dass nicht immer alles so perfekt laufen kann wie er es seinem Publikum vielleicht gerne präsentieren würde. Als er nach 251 Stunden (oder für den Leser: 242 Seiten) dann wieder in Deutschland ankommt, atmet man erst einmal auf. Ein bisschen mitgelitten hat man, ein bisschen mitgefiebert auch, und man fragt sich, warum man nicht auch mal sowas macht. Sowas ganz Verrücktes halt!


Als besonderen Gimmick finden sich am Ende eines jeden Kapitels QR-Codes, die den geneigten Smartphone-Besitzer zu Christoph Karraschs lustigen Filmchen über das jeweilige Land führen. Hier als kleine Beispiele die Links zu Lima und Kathmandu – macht echt Spaß, da zuzuschauen:

#10Tage – Lima, das Filmchen
#10Tage – Kathmandu, das Filmchen

Und hier geht’s zur Homepage von Christoph Karrasch: christophkarrasch.de und zu seinem Blog.


Christoph Karrasch – #10Tage: In zehn Tagen um die Welt
Ullstein Buchverlag
256 Seiten
ISBN 978-3864930287
14,99 Euro

3 Kommentare

  1. saucoole Aktion =)

    • Ich wäre dabei!

      Nürnberg – Dubai – Shanghai – Melbourne – San Francisco – Santiago de Chile – Kap Stadt – Paris – Nürnberg

      und so Videos pro Stadt drehen wir auch!!!

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