Camping-Szenen (Norwegen)

Lasst mich überlegen. Was ist gerade schlimmer? Die Millionen Moskitos oder die Franzosen mit den drei Kindern im Nebenzelt, die gerade lautstark mit dem i-pad einen Film schauen? In die Kategorie “Schlimme Dinge auf einem Zeltplatz” schafft es außerdem der Unfall, den eines der zahlreichen Wohnmobile vorhin mit seiner Chemie-Toilette hatte. Direkt hier vor dem Klohäuschen. Der Geruch wabert schön zu mir ins Zelt rein. Und auch die Kälte hat gute Chancen auf Platz 1 der “Das muss nicht sein”-Liste. Zum Glück regnet es gerade nicht. Herrlich, diese Outdoor-Erfahrung auf einem Camping-Platz.

Dabei könnte es eigentlich so schön sein. Was bei Campingurlauben in Norwegen, Finnland & Co. so lockt ist ja das sogenannte Jedermannsrecht. Das besagt u.a. dass man da zelten darf, wo es einem gefällt. Natürlich solange man dabei nicht in Privatbesitz eindringt. Wir wollten heute wildcampen. Zwei Stunden haben wir nach einer geeigneten Stelle gesucht. Und dann entnervt aufgegeben. Nord-Norwegenist nämlich gar nicht so spärlich besiedelt wie es auf den ersten Blick scheint. Am Ende eines jeden noch so winzigen Trampelpfades steht eine Hütte. Oder gar ein Wohnhaus. Die Norweger lassen sich überall da nieder wo man garantiert nicht damit rechnet. Und wenn man jetzt nicht unbedingt am Straßenrand oder auf einem Parkplatz kampieren will hat mans schwer. Hinzu kamen zugegebenermaßen unsere hohen Ansprüche an die perfekte Zeltstelle. Am Wasser sollte sie sein, und zwar möglichst an einem fließenden. Nicht zu windig, möglichst einsam, nicht unter Starkstrommasten, nicht abschüssig, mit ebenem Untergrund, nicht einsehbar und mit genug Holz im Umkreis um ein Feuer zu machen. Absolut unmöglich. Zumal es neben Straße, Parkplatz und Privatbesitz zumindest in dieser Gegend hier kaum ein Stück Land gibt auf das ein Zelt passen würde. Es ist alles zugewuchert oder sumpfig. Immerhin haben wir (Highlight!) statt einer guten Zeltstelle einen Elch aufgespürt. Sehr cool! Leider war er zu schnell weg als dass es für ein Foto gereicht hätte.

Deshalb sind wir jetzt bedauerlicherweise auf einem Zeltplatz gelandet. Die Franzosen mit dem drei (herumbrüllenden) Kindern haben sich mittlerweile mit weitem Abstand auf Platz 1 meiner Unsäglichkeitsliste katapultiert. Zusammen mit einer Schweizerin, die vorhin den Vogel abgeschossen hat. Die ist zusammen mit ein paar anderen Typen mit einem Wohnmobil unterwegs. Mit dem man – laut ihr – wunderbar auf diesen noch wunderbareren Parkbuchten an der Hauptstraße nächtigen kann. (Na da kommt Freude auf!). Jetzt muss man wissen dass einige dieser Parkplätze über WC-Häuschen verfügen. Die nicht sehr vertrauensetweckend aussehen und hauptsächlich als Anlaufstelle für die zahlreichen Reisebusse dienen, die hier unterwegs sind. Der normale Mensch/Camper geht lieber in die Natur und würde so ein Häuschen nicht mal betreten wenn man ihm Geld dafür gäbe. Das meine zumindest ich. Die Schweizerin überschlägt sich also vor Begeisterung über die Parkbuchten und meint dann: “Und wenn man Glück hat gibt’s noch ein WC!”. Mir steht immer noch der Mund offen.

Nein, da zelte ich doch lieber am Nordkap. Oder am anderen coolen Stellen dieser Welt. Aber bitte nicht neben herumbrüllenden Fremden und bitte auch nicht neben assigen WC-Häuschen.

Gute Nacht!

(Ganz lecker, das sollte noch erwähnt werden, war aber die auf dem Trangia gekochte Fischsuppe zum Abendessen!)

***

11:15 morgens
Natürlich hat es geregnet. Natürlich hat das Franzosenkind um 4 Uhr nachts Terror gemacht. Natürlich musste ich zum 100m entfernten Klo latschen und natürlich fressen mich die Moskitos gerade auf (ich laufe herum während ich das schreibe). Natürlich war es saukalt heute Nacht.

Aber Spaß gemacht hats trotzdem!!!
Vielleicht finden wir für heute Nacht ja doch eine schöne moskitofreie Stelle zum wildcampen.

Zustand des Daunenschlafsacks:
Könnte feucht sein. Leicht zumindest.

Ein Kommentar

  1. ich LIEBE Eure Geschichten mitten aus dem Leben!)))))))))))))

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