Zeitreise: Vor 8 Jahren in Buenos Aires

Puerto Madero, 2006

Puerto Madero, 2014

Heute begeben wir uns wieder einmal in die Vergangenheit, und zwar nach Buenos Aires im Jahr 2006.

Kurz zur Erinnerung: 2005, 2006 und 2007 habe ich mich bereits in Südamerika aufgehalten und auch damals fleißig Reiseberichte geschrieben. Diese habe ich nun wieder ausgegraben und mit Staunen gelesen. In einer kleinen Serie präsentiere ich Euch die lustigsten und interessanten Stellen meiner damaligen Aufzeichnungen, füge meine heutige Meinung darüber hinzu und veröffentliche Vergleichsfotos “damals vs. heute”.

Ich muss sagen, meine Reiseberichte über meinen Kurztrip nach Buenos Aires im August 2006 haben mich ziemlich schockiert. Beispielsweise berichte ich von einem Buchladen namens Ateneo, der in einem alten Theater untergebracht ist. In diesem habe ich, laut meinen Aufzeichnungen, ausgiebig eingekauft. In genau diesem Buchladen waren wir am 15. Oktober 2014 auch, und ich habe ausgiebig eingekauft. Aber es gab kein Wiedererkennen, ich habe nicht bemerkt, dass ich schon einmal dort war.

Ebenso beschreibe ich die Straße Florida, in der Lars und ich Geld gewechselt und gefühlt hunderte Male auf- und abgelaufen sind. Kein Wiedererkennen. Und auch das Teatro Colón, in dem ich laut meinen Aufzeichnungen 2006 sogar eine einstündige Führung mitgemacht habe, habe ich nicht wiedererkannt. Ich frage mich, wovon es abhängt, dass das menschliche Gehirn einen Ort abspeichert und wann es ihn einfach vergisst. Und ob das von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist.

Am Titicacasee, in Bolivien, führte uns unser Tourguide Eric zu unserer Unterkunft, und das erste, was ich gesagt habe, war: “Hier war ich schon mal!”. Ich erinnerte mich spontan an den wunderschönen, riesigen Trompetenbaum im Innenhof des Hotels. Später habe ich in meinen Aufzeichnungen nachgeschaut, und tatsächlich, 2007 war ich im gleichen Hotel zu Gast. Vielleicht speichert mein Gehirn also lieber Pflanzen statt Buchläden und Einkaufsstraßen ab. Und ein Kulturbanause (siehe Teatro Colón) war ich ja schon immer. Ein bisschen gruselig finde ich meine Erinnerungslücken trotzdem.

Die U-Bahn, 2014

Die U-Bahn, 2006

25. August 2006 Über die Argentinier und das Thema Security am Flughafen

Dank wildem Shopping im Duty-Free-Shop ist die Zeit am Flughafen in Santiago unglaublich schnell vergangen, und schon sassen wir, zusammen mit lauter Argentiniern, im Flugzeug nach Buenos Aires. Ich hatte testweise eine Flasche Wasser in mein Handgepäck gepackt, das war überhaupt kein Problem, kein Mensch hat sich beim Security-Check dafür interessiert. Lustig finde ich, dass die Argentinier deutlich anders sprechen als die Chilenen und statt “tu” (du) das Wort “vos” verwenden. Die Stewardessen haben dann Millionen von Einreiseformularen verteilt, bei denen kein Mensch durchgeblickt hat. Also musste ich den Argentinier neben mir um Hilfe bitten. Das erste Wort, das ich aus seinem Mund gehört habe, war “vos”, und mein bisheriger Eindruck von den Argentiniern hat sich verstärkt und bis jetzt aufrechterhalten: die sind alle arrogant.” [Köstlich! Die Sicherheitschecks haben sich also in den vergangenen acht Jahren keiner Verbesserung erfreut, und die Argentinier haben während unseres diesjährigen Aufenthalts alles getan, um meinen Eindruck von damals zu bestätigen. Erfreulich ist allerdings, dass wir uns diesmal nicht mit argentinischen Einreiseformularen herumschlagen mussten. Entweder sie wurden abgeschafft, oder das lag an unserer Einreise über den Landweg. Eine Logik steckt da ja bekanntlich nicht dahinter.]

Plaza de Mayo, 2006

27. August 2006 Über die U-Bahn in Buenos Aires

Plaza de Mayo, 2014

Heute haben wir es uns gegönnt, die U-Bahn (“Subte” genannt, als Abkürzung für “Subterraneo”) auszuprobieren. Ich hab irgendwo gelesen, dass sie die älteste in Südamerika und daher etwas abenteuerlich ist, also wollte ich unbedingt damit fahren. Echt der Hammer, wenn man die Santiagoer Luxus-Metro gewöhnt ist. Eine Fahrt kostet ungefähr 20 Cent (in Santiago 50) und um den Bahnsteig zu erreichen muss man erstmal durch kilometerlange, enge Gänge laufen, die alle mit superschnuckeligen uralten Kacheln geschmückt sind. Hat mich sehr, sehr an London erinnert (wie vieles hier). Die U-Bahn selbst ist gelb und so laut dass man sich drinnen schier nicht unterhalten kann. Es ruckelt wie wahnsinnig, man meint eine Dampflock zieht die Waggons. Innen sitzt man sich an den “Wänden” gegenüber (auch wie in London). Ist auf jeden Fall ein Erlebnis wert.” [Das klingt ja schauerlich… Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich mich nicht erinnern kann, dass ich schon einmal in dieser U-Bahn saß. Äußerst schade, dass wir es diesmal verpasst haben damit zu fahren. Ich wüsste ja gerne, ob sich hier in der Zwischenzeit etwas getan hat. ]

27. August 2006 Übers Taxifahren

Wir haben uns dann ein Taxi zurück ins Hostel genommen. Wir wollten den Fahrer nicht damit belästigen, uns direkt zum Hostel fahren zu müssen (in Santiago zumindest kennen sich die Fahrer überhaupt nicht aus und man muss immer genau erklären wo man hin will), drum hab ich ihm gesagt, er soll uns der dem Hostel am nächsten gelegenen U-Bahn-Station fahren. Aber der Taxifahrer hatte noch nie was von dieser Station gehört!!!! Und das mitten im berühmten Stadtviertel San Telmo. Oh man!!! Die Taxis fahren übrigens alle mit Standlicht. Ich hab noch nicht gecheckt, was das für eine komische Sitte ist. Wenn man in einer dunklen Straße ist, dann sieht man die nachts fast gar nicht. Ich habe zwar gestern im Hostel schon mal gefragt, was es damit auf sich hat, aber das ist hier wohl noch niemandem aufgefallen.” [Man beachte die Worte “nachts” und “dunkle Straße”. Das waren noch Zeiten, da konnte man noch nachts draußen herumlaufen. An anderer Stelle schreibe ich, wie ich nachts von Puerto Madero nach San Telmo zurückgelaufen bin. Das dauert ungefähr 10 Minuten, und Lars und ich haben es diesmal NICHT gewagt. Deswegen blieb uns wohl auch die Erkenntnis verborgen, dass die Taxis mit Standlicht fahren.]

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