Bootstour in Faro (Portugal, Tag 15)

bootstour-faro-1Ich habe diesmal noch gar nichts übers Wäsche-Waschen erzählt. Wir hatten ja nur 50% der benötigten Kleidung dabei und wollten zwischendurch mal waschen. Das hätte auch super funktioniert, wenn wir, wie ursprünglich geplant, mehrere Tage an einem Ort geblieben wären – bevorzugt auf Campingplätzen, wo wir unsere Reisewäscheleine hätten aufhängen können. Da sich der Urlaub etwas anders entwickelt hat, hatten wir diesmal echt mit Wäsche-Engpässen zu kämpfen.

Selbst hier an der Algarve wird es nachts so richtig kalt. Vorgestern hatten wir 13 Grad, als wir morgens ins Auto gestiegen sind. Das heißt, dass auch die Unterkünfte auskühlen und Wäsche über Nacht nicht trocknet. Wir hatten deshalb stets das ganze Auto voller nasser Unterhosen hängen, die dann über den Tag hinweg getrocknet sind. Ich könnte mir vorstellen, dass uns der ein oder andere unserer Mit-Verkehrsteilnehmer für verrückt gehalten hat. Praktisch wars aber: Bei der Wahl der Kleidungsstücke für den nächsten Tag musste man nur einen Blick ins Auto werfen und hatte gleich den vollen Überblick, grins.

Jetzt aber zurück nach Faro, wo wir uns, in Ermangelung an sinnvollen Beschäftigungsmöglichkeiten, für eine dreistündige Bootstour entschieden haben. Der Touranbieter heißt Formosamar und war (trotz der hervorragenden und vermutlich gefakten Kritiken auf TripAdvisor) unter aller Sau. Zusamen mit zehn anderen Paaren (davon 80% Deutsche – der Trend beim pensionierten Lehrer geht übrigens zu WEISSEN Socken in den Wandersandalen) wurden wir um 11:30 Uhr in ein Boot verfrachtet und von einem Bootsführer, der drei Stunden lang keinen einzigen Satz von sich gab, durch das “Marschland” vor Faro geschippert. Mit gutem Willen hat man in weiter Ferne tolle Vögel à la Reiher, Störche und Pelikane erkennen können, aber eigentlich viel zu weit weg, um wirklich etwas davon zu haben.

Nach 30 Minuten Fahrt wurden wir ohne ein Wort auf einer Insel ausgesetzt. Die Insel stellte sich als umfassend bewohnt heraus. Allerdings gab es dort keine Autos, sondern nur sandige Fußwege, was angesichts der Größe des Städtchens schon beeindruckend war. Eine Menge goldiger Häuschen standen dort herum, und natürlich gab es ringsherum Badestrände.

Als wir dann weiterschippern wollten, ist doch tatsächlich ein Einheimischer auf die Idee gekommen, ausgerechnet jetzt seine Hummer-Fang-Reuse zu versetzen, die unter Wasser genau an der Bootsanlegestelle lag. Der Typ ist also mit Taucherflasche ins Wasser gesprungen und hat den gesamten Bootsverkehr dadurch lahmgelegt – und es kamen wahrlich viele Boote mit Touristen an, die auf die Insel gekarrt wurden. Keiner durfte mehr anlanden bis der Typ endlich seine Reuse weiter in Richtung Strand gekarrt hatte. Wahnsinn.

Nach fünf Minuten Weiterfahrt wurden wir dann an einer weiteren, diesmal unbewohnten, quasi 2016100818094000.jpgkomplett aus Sand bestehenden Insel abgesetzt. Dort konnte man wunderbar durchs seichte Wasser waten, Fische und Möwen vor sich herscheuchen und schöne Muscheln sammeln. Leider befand sich auf der Insel auch eine Menge Müll – Müll im Sinne von Gebäudeteilen, Rohren und Autobatterien (!). Zusammen mit den im Minutentakt 100 Meter über unseren Köpfen hinwegdonnernden Flugzeugen und der Aussicht auf die Betonbunkerhochhauskomplexe am etwas entfernten Festland war das die pure Idylle. Mich hat das mal wieder darin bestärkt, dass man den Menschen von diesem Planeten am besten verbannt.

Nach unserer Rückkehr gab’s für uns einen Kaffee und ein Clubsandwich auf der Dachterrasse des Hotel Faro und eine lange Auszeit im Hotelzimmer. Auch kurios: Neben der Rezeption in unserem Hotel steht ein permanent laufender, ultra aufdringlicher Duftzerstäuber (über den sich die Leute auf TripAdvisor reihenweise beschweren; angeblich gab es schon welche, die deswegen das Hotel gewechselt haben). Ob das ist, damit der Gestank aus den Gassen nicht ins Gebäude dringt? 

Immerhin hatten wir noch einen schönen Abend: zum ersten und einzigen Mal in diesem Urlaub war es abends warm genug um ohne dicke Kleidung außen zu sitzen. In der Altstadt sind wir in einem Restaurant untergekommen und haben bei Oktopus und Wein dem Donnern der tieffliegenden Flugzeuge zugehört. Es gibt nichts zu beschönigen: Im Ranking aller Städte auf der Welt, in denen ich in meinem Leben schon war, rangiert Faro weit unten. Ziemlich weit unten, um genau zu sein

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