Public Viewing in Bogotá

Heute war selbstverständlich Public Viewing angesagt. Schon letztens hatten wir einen kleinen Park (“Park 93”) entdeckt, in dem eine riesige Leinwand aufgebaut war – dort wollten wir hin. Laut Google Maps sollte der Fußmarsch von unserem Hotel zu diesem Park 55 Minuten dauern – ein schöner Sonntagsspaziergang also. Wir haben selbstverständlich die obligatorische Frage gestellt: “Ist es gefährlich, da hinzulaufen?” Nein, natürlich nicht. Der Wahnwitz an diesem Spaziergang war, dass sonntags in Bogotá jeweils eine Spur der großen Hauptstraßen gesperrt wird, damit die Leute darauf Radfahren und Joggen können. Die halbe Stadt scheint sich dann in Sportklamotten zu schmeißen und sich aufs Rad zu schwingen. Eine beeindruckende Logistik steckt dahinter – an jeder Kreuzung stehen Menschen, die mit kleinen Dreh-Schildchen (“Stehen bleiben” / “Weiterfahren”) den Verkehr regeln. Für uns war es ein riesen Spaß, auf dieser Sport-Meile entlangzuschlendern, die meiste Zeit davon allerdings im strömenden Regen. Das Wetter bzw. die Wolken werden hier mit atemberaubender Geschwindigkeit von hinter den Bergen hervorgeweht, so dass sich das Wetter normalerweise alle 5 Minuten ändert, nur heute hatten wir Pech: Dauerregen ohne Ende.

Vor dem Park 93 tummelten sich praktischerweise schon zahlreiche Händler, die Deutschland- und Argentinienflaggen an den Mann bringen wollten. Selbstverständlich haben wir uns mit solchem Fanmaterial eingedeckt, bevor es schließlich losgehen konnte. Der Park ist wirklich winzig und besteht nur aus einer Rasenfläche mit ein paar Palmen. Alkohol war verboten, dafür war das Polizeiaufgebot umso beeindruckender. Die meisten der Anwesenden waren entweder Deutsche oder Einheimische in Deutschland-Trikots sowie ein paar verstreute Argentinien-Fans. Mit seiner riesigen Deutschland-Flagge wurde der Lars gleich mal zur Mega-Attraktion, zahlreiche Kolumbianer waren ganz scharf drauf, sich mit ihm fotografieren zu lassen. Obwohl es die meiste Zeit in Strömen geregnet hat und sich der Park immer mehr in ein Schlamm-Feld verwandelt hat, hatten wir einen Mords-Spaß! Und Deutschland hat gewonnen!!!!!!

Bemerkenswert:
– Die Leute sammeln hier tatsächlich – ähnlich wie bei uns – die Hundesch… mit Plastiktüten ein.
– Vor dem Fußballspiel lief eine Art Anti-FARC Werbung mit der Bitte, sich von dieser Gruppierung zu distanzieren. Wir haben außerdem Anti-FARC-Armbänchen geschenkt bekommen. Ein schönes Souvenir!
– Während des Fußballspiels haben wir einen Fan beobachtet wie er sorgsam seine leeren Pizza-Kartons zerlegt und in einen der Recycling-Mülleimer gesteckt hat – seinen Müll einfach liegen zu lassen scheint selbst bei so einer Massenveranstaltung ein No-Go zu sein.
– Im Park 93 gab es exakt genau drei (!) Dixie-Klos. Zwei für Männer, eins für Frauen. Aber tatsächlich mit Waschbecken und Seife innen. Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt.

3 Kommentare

  1. Wow, schon so viele spannende Berichte und Fotos nach so kurzer Zeit! Lese begeistert mit und freue mich auf mehr. Gute Reise und viel Spaß!

  2. Naja, nach einem langen Tag auf den Beinen braucht man abends ein wenig Ruhe. Die Reise ist ja auch kein Sprint, eher ein Marathon 😉

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