Bildergalerie Osterinsel (Spaß mit alten Steinen)

Jedem, der schon mal eine weite Reise machen wollte, um alte Steine zu sehen, kann ich nur empfehlen, Machu Picchu und die Chinesische Mauer links liegen zu lassen, und stattdessen auf die Osterinsel zu kommen. Hier hat man die alten Steine nicht nur weitgehend für sich, man kann auch eine Menge Spaß mit ihnen haben.

Dem schlechten Englisch unseres furchtbaren Guides sind leider nur wenige Informationen zu entnehmen, aber so wie es aussieht, haben die Osterinselbewohner eines Tages angefangen, sich untereinander zu bekriegen. Dabei haben sie dann gegenseitig ihre Figuren umgeschubst. Deshalb liegen viele der Steinkolosse kläglich in der Gegend herum, was wirklich Mitleid bei mir auslöst. Die Einheimischen würden die Figuren gerne wieder aufrichten lassen, aber diese wiegen zwischen 70 und 80 Tonnen. Man braucht also einen speziellen Kran, der hohe Kosten verursacht, und Chile weigert sich, das zu bezahlen. Lustigerweise gibt es das „Japanese Moai Restoration Committee“; Japan hat also zur großen Dankbarkeit der Bevölkerung ein paar Figuren wieder aufrichten lassen.

Eine wichtige Rolle spielt hier der so genannte „Bird-Man“, der auf zahlreichen Felsgravuren zu sehen ist. Dieser Bird-Man scheint neben den Moai ein absolutes Wahrzeichen zu sein und ist auf jeder Tischdecke, jedem T-Shirt und auch sonst überall abgebildet. Was es genau mit ihm auf sich hat, kann ich leider nicht sagen, da ich erstmal drei Tage gebraucht habe, um festzustellen, dass unser Guide nicht „Bear-Man“, sondern „Bird-Man“ sagt (zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon an mir selber gezweifelt, weil ich in der Figur absolut keinen Bären erkennen konnte). Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass man schier nicht auf die Osterinsel fahren kann, ohne dass einem das Wort „Ahu“ so über die Lippen geht, als hätte man es schon sein ganzes Leben mit großer Selbstverständlichkeit verwendet. Am Strand stehen Schilder, dass man nicht auf die „Ahu“ klettern soll, und alle fünf Meter schreit unser Guide begeistert, dass da wieder ein Ahu ist. Mittlerweile haben wir herausgefunden, dass der (das? die?) Ahu die Plattform ist, auf der die Moai stehen. Also jede Figur hat unter sich einen riesigen, liebevoll aus Steinen und Gras angelegten Podest, und nachdem viele Figuren umgekippt oder verschwunden sind, gibt es halt auch Ahus ohne Figuren. Und die sind irgendwie heilig.

Die Legende besagt, dass die alte Heimat der Osterinsel-Bewohner einst durch ein Erdbeben oder einem Vulkanausbruch untergegangen ist, und das Volk deshalb mit Booten loszog, um sich eine neue Bleibe zu suchen. Einige sind wohl auf Neuseeland gelandet, und andere auf der Osterinsel. Außer Hühnern hatten die Leute damals gar nichts; es gab auch keine Bäume oder andere Tiere. Auf der Osterinsel fing dann diese Sache mit den Steinfiguren an. Es gibt hier einen riesigen Steinbruch, in dem hunderte dieser Figuren in unterschiedlichen Fertigstellungsstadien herumstehen, teilweise noch gar nicht ganz aus dem Berg herausgeschnitten. Uns ist total unklar, wie die die Figuren eigentlich hergestellt haben, da Metall zu dieser Zeit hier unbekannt war, und man anscheinend keinerlei Werkzeuge oder ähnliches gefunden hat. Und wie die den Figuren dann den Hut bzw. Dutt aufgesetzt haben ist mir ein absolutes Rätsel (der liegt da stets nur so auf dem Kopf ohne irgendwie festgemacht zu sein). Es ist also echt faszinierend und so richtig sattsehen kann man sich nicht.

Insgesamt muss man allerdings sagen, dass man den Eindruck bekommt, dass dieses ursprüngliche Osterinselvolk ganz furchtbar primitiv und ungebildet war. Leider vermittelt unser Guide zusätzlich den Eindruck, dass auch das heutige Inselvolk ganz furchtbar primitiv und ungebildet ist – zumindest er ist es. Er hat einen Hass auf alle, die „seine“ Kultur nicht respektieren, wirft aber Plastiktüten in die Wiese, quält Tiere und hält sich nie an die vorgegebenen Wege, die man eigentlich nicht verlassen darf. Auch würde er mitsamt seiner Insel (ich habe den ursprünglichen Namen jetzt doch noch rausgefunden: Mata ki te rangi) am liebsten unabhängig werden, weil er braucht ja nicht viel zum Leben. Ich würde zu gerne sehen, wie er schaut, wenn LAN Chile den Flugverkehr einstellt…

Und das ist auch noch interessant: Zum einen gibt es hier, wie überall in Chile, ein Hunde-Problem. Gefühlt gibt es tausende von streunenden Hunden, die einem permanent hinterherlaufen und um Essen oder eine Streicheleinheit bitten. Vorgestern hat ein Schäferhund vorsichtig einen größeren Stein neben meine Füße gelegt und hat sich wahnsinnig gefreut, als wir den Stein ein paar mal für ihn geworfen haben. Nachts machen die Hunde allerdings einen furchtbaren, gruseligen Krach. Gebell und Geheule die ganze Nacht. Zum anderen gibt es hier aber ein Pferde-Problem, und das ist echt krass. Es gibt hier zu viele wilde Pferde, die überall herumrennen, unter anderem natürlich auch über die Felsgravuren. Und die werden durch die Pferdehufe zerstört. Keiner tut etwas dagegen. Wir haben vorgeschlagen, dass man das Pferdefleisch verkaufen könnte, aber die Leute wollen kein Fleisch von den einheimischen Tieren (auch nicht von Kühen usw.) essen, sondern importieren lieber das umweltverschmutzte Fleisch vom Festland. Also wenn das nicht was mit geistiger Beschränktheit zu tun hat, dann weiß ich auch nicht…

 

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