Athen oder: Liebe auf den ersten Blick

Ich finde, dass Urlaube grundsätzlich zu kurz sind. Sage ich so etwas nach einer 100-tägigen Südamerikareise, werde ich schief angeschaut. Nach einem 35-stündigen Aufenthalt in Athen ist solch eine Aussage schon eher gesellschaftlich akzeptiert. Deshalb gibt es das Fazit dieses Beitrags gleich zu Beginn: 35 Stunden Athen sind zu wenig…

… und ganz besonders dann, wenn man noch 20 Stunden An- und Abreise drumherumbasteln muss! Aus Sicht eines Mittelfrankens ist Athen nämlich gar nicht so leicht zu erreichen. Direktflüge sind Fehlanzeige. Deshalb war es zunächst erforderlich, dass wir uns in ein winziges Lufthansa-Flugzeug quetschen, das uns nach München bringt. Unsere Rucksäcke haben in dieser Konservenbüchse weder in die Gepäckfächer oben noch unter den Vordersitz gepasst. Wir hatten sie also da, wo eigentlich unsere Füße hätten sein sollen, und unsere Füße hatten keinen Platz mehr. Zum Glück hat der Flug nur 35 Minuten gedauert. Von München ging’s dann in zwei Stunden mit einer etwas größeren Maschine nach Athen. Als wir das Flugzeug betraten war selbiges schon zu 95% mit Griechen gefüllt, die ihren kompletten Hausrat dabei hatten. An einer Unterbringung unserer Rucksäcke in den Gepäckfächern war also auch hier nicht zu denken. Zum Glück hat die Aussicht auf einen original Ouzo mit Eis alle Beschwerlichkeiten relativiert. Gegen 22 Uhr hieß es dann: γεια σας Ελλάδα oder: Hallo Griechenland!

Ich war von der ersten Sekunde an begeistert. Begeistert von dem milden Klima, der fremden Sprache und dem tollen Anblick, der während der einstündigen Fahrt zum Hotel am Autofenster vorbeizog. Bäume am Straßenrand, an denen reife Orangen hingen. Noble Möbelläden. Olivenbüsche. Cafés, Restaurants, Gassen. Schnuckelige Häuser mit Dachterrasse. Alles wunderschön. Und über der Stadt der angestrahlte Parthenon auf der Akropolis. Ein absoluter Traum.

Nach dem obligatorischen Ouzo-auf-Eis (der übrigens genauso fantastisch geschmeckt hat, wie ich mir das gewünscht hatte), ging’s leider erstmal ins Bett. Aber gleich am nächsten Morgen haben Lars und ich uns ins Getümmel der Altstadt gestürzt. Es hatte um die 17 Grad, über uns ein strahlend blauer Himmel ohne eine einzige Wolke. Und ich muss sagen: Athen ist einfach genauso wie ich es mir vorgestellt hatte. Schnuckelig, südländisch, mit freundlichen Menschen. An vielen Stellen stehen alte Säulen und Ruinen herum, man ist stets mittendrin in der bewegten Geschichte dieser Hauptstadt. Und überall gibt es diesen herrlichen, griechischen Souvenir-Ramsch wie z.B. Jesuslatschen, Mini-Amphoren und Olivenöl-Produkte für billiges Geld. In den Cafés standen Tische und Stühle außen, selbst in die engsten Gassen wurden auf jedes freie Stückchen Erde Stühle gequetscht. Und es lag so ein guter Geruch in der Luft, nach Blumen und Zitrusfrüchten. Wirklich, Athen und ich, das war Liebe auf den ersten Blick.

Im Rahmen einer kleinen Führung haben wir die Stadt schließlich näher erkundet. Von unserer Führerin könnte sich so manch südamerikanischer Tourguide echt mal eine Scheibe abschneiden: Erstens hat sie quasi besser Deutsch gesprochen als wir und zweitens war sie sowas von begeistert von dem, was sie da erzählt hat, dass es so richtig mitreißend war. Wir waren quasi live dabei als das Hadrianstor im Jahre 132 nach Christus vor den Toren des damaligen Athens eingeweiht wurde und im Dionysostheater vor 17.000 Zuschauern die Stücke der besten Dichter des Landes aufgeführt wurden. Sehr interessant war auch die Information, dass ursprünglich das Wort “Tyrann” als Bezeichnung für einen sehr guten Alleinherrscher gebraucht wurde und sich die Bedeutung erst im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat.

Etwas verwunderlich war, dass ausgerechnet ein Besuch der Akropolis nicht in der Stadtführung enthalten war. OK, kann man auch auf eigene Faust machen. In meinem Kopf hat sich trotzdem diese Analogie gebildet: Mal angenommen, man würde in Nürnberg eine Stadtführung machen, und dann hieße es “Aber die Burg, die lassen wir jetzt mal weg” – hmmm, das wäre schon ein bisschen seltsam. Egal. Dafür war ein Besuch im neuen, superstylishen Akropolismuseum mit drin. Das wurde ab 2002 unter großen Protesten der Anwohner errichtet – es war nämlich absehbar dass dieser Neubau ihnen den Blick auf die Akropolis versperren würde (ich hätte auch protestiert – der Anblick ist einfach grandios!). 2009 hat das Museum dann eröffnet und zeigt allerlei Figuren, Abbildungen, Friese usw., die in und um die Akropolis gefunden wurden. Das ganze Zeug vom alten in das neue Museum umzuziehen war angeblich der teuerste Umzug in der Geschichte Athens.

Ich bin ja bekanntlich kein Museumsfan, deshalb kann man hier von mir jetzt keine Lobeshymne erwarten. Wer Geschichte, Gips und Statuen gerne mag kann sich das durchaus mal anschauen, allen anderen empfehle ich eher einen Besuch im hauseigenen Restaurant. Das ist nämlich echt super! Ich fand es so richtig genial, dass in so einer doch eher touristischen Location richtige griechische Gerichte angeboten werden. Kein Burger-Fastfood-Schmauß, sondern Sachen, bei denen ich nicht mal mit Hilfe der englischen Übersetzung wusste, was mich erwarten würde. Noch dazu sitzt man recht schön in dem riesigen Raum, natürlich mit Blick auf die Akropolis. Und das Essen (so eine Art Brei aus Getreide und Huhn) war auch wirklich sehr lecker. Top Location!

Und dann war es endlich so weit. Nach Machu Picchu und der Osterinsel stand mal wieder “Spaß mit alten Steinen” auf dem Programm: Der Akropolishügel rief uns! 12 Euro kostet der Eintritt. Auf dem Weg nach oben kommt man zunächst am alten, riesigen, beeindruckenden Dionysostheater vorbei. Oben auf dem Hügel stehen dann unter anderem das Parthenon, der Niketempel und eine Menge abgebrochener Säulen. Außerdem hat man von dort einen schönen Blick über die Stadt. Leider bringen alte Steine ja auch immer irgendwas Nerviges mit sich – in Machu Picchu trampeln sich die Leute zu Tode, auf der Osterinsel liegen alle Figuren umgeschubst am Boden und die Akropolis war leider zur Hälfte eine Baustelle. Ein großer Teil war eingerüstet, ein Kran und Bauzäune stand herum und zu allem Überfluss gab es ziemlich viele große, scheußliche Strahler, die die Ruinen nachts in gleißendes Licht hüllen. Naja. Die historische Romantik in meinem Kopf wurde vor Ort mal wieder von der Realität eingeholt. Nichtsdestotrotz war es der Wahnsinn, mal dort oben zu stehen. Und da unsere Zeit so knapp war und wir, kaum waren wir oben, schon wieder gehen mussten (die Akropolis macht um 17 Uhr zu) heißt das: Wir müssen wiederkommen, und zwar bald!

In einem schnuckeligen Gassen-Café gab’s dann noch einen hervorragenden Cappuccino, und wenig später ging’s dann schon nach Piräus zum Abendessen. Direkt am Hafen, in einem Lokal mit Glasfront. Ich saß direkt am Fenster, neben mir die Schiffe, eine kleine herumschwimmende Boje, und in der Ferne sanfte Hügel mit vielen Lichtern darauf. Einer dieser Anblicke, die sich ins Gedächtnis eingraben und die noch in 30 Jahren ein Glücksgefühl hervorrufen werden. Ich konnte mich an diesem Anblick gar nicht sattsehen, er war so wunderschön. Bei richtig echtem griechischen Essen (Schafskäse, Tarama, frittierte Sardellen…), superschöner Live-Musik und zu später Stunde sogar kleinen Sirtaki-Einlagen haben wir unseren Kurztrip schließlich ausklingen lassen. Der ganze gestrige Tag bestand nämlich aus Heimreise…

Ein großer Dank nochmal an die Sponsoren (Sigrid und Rolf) für diese wahnsinns Reise!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.