Neun Monate auf Weltreise: Friederike Achilles und Philipp Rusch mit “Die beste Entscheidung unseres Lebens”

Das Buch “Die beste Entscheidung unseres Lebens” ist mir so dermaßen oft über den Weg gelaufen, dass ich am Ende das Gefühl hatte, ich verpasse etwas, wenn ich es nicht gelesen habe. Egal ob im Buchladen, auf Amazon oder auf der von mir mit gemischten Gefühlen betrachteten Spiegel Bestsellerliste – dieses Buch war immer irgendwo präsent. Irgendwann habe ich zugeschlagen, denn die Story klingt wirklich gut: Friederike Achilles und Philipp Rusch, beide Anfang 30, lassen ihre Jobs hinter sich, um neun Monate lang auf Weltreise zu gehen. Sie beginnen in Kuba, reisen durch Mittel- und Südamerika und arbeiten sich nach einem kurzen Abstecher in die USA und Hawaii nach Asien – Indonesien, Thailand, Indien – vor. Coole Leute auf einer coolen Route also.

Höhen und Tiefen

Ich nehme mein Fazit mal vorweg: Das Buch hat Höhen und Tiefen. Hohe Höhen, zugegebenermaßen, aber auch wirklich tiefe Tiefen. Der Anfang der Story – der Bericht über ihren Aufenthalt in Kuba – war gleich so gut, dass ich kurzzeitig das Gefühl hatte, dieses Buch könnte zu meinem neuen Lieblingsreisebericht werden. Endlich beschreibt jemand Kuba mal so, wie es wirklich ist. Nervige Menschen, Abzockermentalität, keinen Meter kann man sich bewegen, ohne dass einen jemand belästigt. Sehr lustig und treffend beschrieben. Dafür habe ich den Autoren auch kurzzeitig (aber wirklich nur kurzzeitig!) verziehen, dass sie sich gar nicht vorstellen. Wer sind Friederike Achilles und Philipp Rusch? Was haben sie gearbeitet? Warum können sie es sich leisten, ihre Jobs hinzuschmeißen und zu reisen? Was ist mit ihrer Wohnung und ihren Autos passiert? Und (natürlich wird auch diese Frage nicht beantwortet): Wie ging es nach der Reise mit ihnen weiter? Warum diese Reise also “die beste Entscheidung ihres Lebens” war, erfährt man gar nicht. Das hier ist ein Reisebericht, Punkt. Immerhin ein sehr lustig und ironisch geschriebener. Infos über die Rahmenbedinungen: Fehlanzeige.

Südamerika & Thailand

Neben Kuba war eine weitere Höhe des Buches die treffende Beschreibung von paranoiden Südamerikareisenden, die alle paar Sekunden einen Kontrollgriff zu ihrem Hab und Gut machen (Geldgürtel noch da? Kamera noch da? Handy noch da?) und mit ihren Augen suchscheinwerfermäßig die Umgebung nach zwielichtigen Gestalten abscannen. Jeder, der sich in Südamerika mal ein paar Meter fortbewegt hat, kennt genau das. Als wir aus Südamerika nach Hause kamen und plötzlich keinen Geldgürtel mehr tragen mussten, hatte ich bei diesem Kontrollgriff mehrmals fast einen Herzstillstand: Geldgürtel nicht da! Ach so, brauche ich ja jetzt nicht mehr.

Interessant war außerdem die Beschreibung von Thailand. Das kennt man ja auch: Man landet irgendwo, und es passt einfach gar nichts. Wetter nicht, Hostel nicht, Mitreisende nicht. Die tendenziell negative, aber nachvollziehbare Beschreibung von Thailand war für mich eine echte Hilfestellung, denn Lars und ich hatten Thailand in die nähere Auswahl für einen unsere nächsten Urlaube gezogen. Das Land ist auf unserer To Do Liste jetzt ein paar Plätze weiter nach unten gewandert.

Manchmal dann doch zu kitschig

Doch wie gesagt, die Story hat auch Tiefen. Vor allem dann, wenn die Autoren offensichtlich das Bedürfnis hatten, besonders lustig zu sein, die Story dann aber total ins blöd-kitschige abdriftet. Zum Beispiel, als Friederike Achilles und Philipp Rusch das Thema “Maya-Glyphen und exzessives Spinnertum” behandeln und dabei irgendwie Erich von Däniken, Max Frisch und einen Aquarell-malenden Grafen ins Spiel bringen. Noch schlimmer wird es, als die beiden zwölf stereotype Arten von Reisenden beschreiben, denen man angeblich in mehr oder weniger starker Abwandlung auf jeder Reise begegnen würde. Ich hab echt krampfhaft überlegt, aber die hier beschriebenen Leute sind mir noch nie begegnet. Sehr schade war außerdem, dass die beiden Autoren erwähnen, dass ihre Kreditkartendaten missbraucht wurden, sie aber nicht erklären, wie sie dieses Problem gelöst haben.

Fazit

Der Spiegel greift ja mit seinen Reisebericht-Empfehlungen gerne mal ins Klo (“Das große Los” von Meike Winnemuth, Vier um die Welt, Laufen. Essen. Schlafen), dieses Buch gehört aber durchaus zu den besseren davon. Insgesamt als lustiger Reisebericht und kurzweilige Lektüre also auf jeden Fall in Ordnung. Der Buchtitel führt leider in die Irre, da man sich doch erhofft, mehr über die eigentliche “beste Entscheidung unseres Lebens” zu erfahren. Einen Extra-Pluspunkt gibt’s für den coolen Schreibstil, die vielen Fotos und dafür, dass Friederike Achilles und Philipp Rusch als sehr sympathische Menschen aus der Story hervorgehen.


Friederike Achilles und Philipp Rusch
Die beste Entscheidung unseres Lebens – Wie wir einfach loszogen und um die halbe Welt reisen
KiWi-Paperback
08. Oktober 2015
320 Seiten
ISBN: 978-3462048100
14,99 Euro

Ein Kommentar

  1. solteste dem Spiegel auch mitteilen

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