Prädikat sehr gut: Andrea Diener mit “Ab vom Schuss”

Eher unscheinbar irgendwo am Rand lag dieses Buch in einer Buchhandlung. Nicht nur sein Titel, “Ab vom Schuss – Reisen in die internationale Provinz” klang für mich verlockend, sondern auch das Titelfoto fand ich auf Anhieb zum Schreien. Ein Wischmop, gelehnt an eine hässliche Betonrampe, dahiner Strommasten und ein scheußlicher Plattenbau. Vermutlich irgendwo in Nordkorea oder so. Das Buch habe ich sofort gekauft, sofort gelesen und bin begeistert. Bisher ist es das einzige Buch von Andrea Diener – da muss dringend Nachschub her.

“Ab vom Schuss” besteht aus dreizehn einzelnen Geschichten über Reisen an den Arsch der Welt. Zum Beispiel nach China, Japan, Burundi und Slowenien. Aber auch deutsche Pampa-Orte kommen zur Sprache; darunter auch der westliche Harz. Nicht nur die Reiseziele sind außergewöhnlich, sondern auch der Schreibstil der Autorin. Sehr lustig, aber nicht unbedingt sehr leicht zu lesen. Schachtelsätze inklusive. Für mich war das herrlich erfrischend, denn normalerweise sind Reisebücher ja aalglatt lektoriert. Hier haben sich Autor + Lektor getraut, der Mainstream-Schreibe den Kampf anzusagen.

Allzuviel vom Inhalt des Buches möchte ich gar nicht verraten. Es bleibt aber festzustellen, dass es von dieser Art von Reiseberichten viel zu wenige gibt. Bücher, die auch mal die “anderen” Orte dieser Welt beleuchten. Die Orte, an die man nie im Leben hinfahren würde – die aber trotzdem viel Interessantes zu bieten haben. Mal ganz ehrlich: Egal wo man in China, Japan und Burundi aufschlägt, man wird dort überall viel erleben (zum Beispiel, wenn, wie im Falle von Andrea Diener, in Burundi der Koffer nicht ankommt…). Und auch wer im Harz, in Slowenien und im Erzgebirge die Augen offenhält, hat genug zu berichten. Andrea Diener hat’s getan – mit viel Genuss für den Leser. Ich bitte um (mindestens) eine Fortsetzung!

Andrea Diener
Ab vom Schuss – Reisen in die internationale Provinz
Rowohlt
240 Seiten
20. Januar 2017
ISBN 978-3499631726
14,99 Euro

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