Zu Gast im Land der Kirschblüten: Marcus Haids Vortrag über Japan

Plakat JapanDass ein Reisereferent passend zu seinem Vortrag in landestypischer Tracht auf der Bühne erscheint, ist nicht alltäglich. Dass er sein Publikum in der jeweiligen Landessprache begrüßt, ebenfalls nicht. Mehr als einer der vielen Besucher im ausgebuchten Saal des Erlangener E-Werks machte letzten Sonntag deshalb große Augen, als Vortragsreferent Marcus Haid plötzlich im braun-silbernen Kimono auf der Bühne stand, sich kurz verbeugte und eine ganze Reihe an Sätzen auf japanisch von sich gab. Die perfekte Einleitung für einen perfekten Vortrag.

Marcus Haid ist Reisefotograf aus Innsbruck. Mehrmals war er im Land des Lächelns unterwegs, hat Informationen über dieses ferne Land gesammelt, interessante Menschen kennengelernt und Einblicke hinter die Kulissen des japanischen Alltags bekommen. Entstanden ist dadurch ein einzigartiger Foto- und Filmbericht über ein Reiseziel, das in der Landschaft der Reisevorträge nicht allzuoft anzutreffen ist. Stereotypen wie Sushi, Internetsucht und Walfang bedient der Referent dabei bewusst nicht, sondern rückt stattdessen Traditionen, Kultur und Historie in den Vordergrund.

Zunächst nimmt Marcus Haid sein Publikum mit auf die Suche nach der berühmten Kirschblüte. Aufgrund von Klimaschwankungen lässt diese jedoch auf sich warten – stattdessen ist die weit weniger bekannte Pflaumenblüte in vollem Gange. Der Vortragszuschauer indes staunt nicht nur über die wunderbaren Blüten, sondern auch über das Gedrängel in den japanischen Parks, in denen anlässlich der Blütenbetrachtung jeder Quadratmeter Boden mit Picknickdecken belegt ist.

Weiter geht es in japanische Kampfsportschulen, wo schon Vierjährige mit Begeisterung ihr Gegenüber auf die Matte werfen. Wir sind bei der Sumo-Weltmeisterschaft dabei, als schwergewichtigeMarcus Haid Ringer um den Titel kämpfen. Wir besuchen ein Fruchtbarkeitsfest, das unsere klischeehaften Vorstellungen von emotional in sich gekehrten Japanern so gar nicht unterstreicht. Und wir dürfen einer Geisha dabei zusehen, wie ihr ein Friseur mit mittelalterlich anmutendem Handwerkszeug eine kunstvolle Frisur aufs Haupt zaubert. In einem kleinen Filmbeitrag wird eine echte Teezeremonie gezeigt, die beim ein oder anderen im Publikum leichtes Stirnrunzeln hervorruft: Teeblätter sind in Japan püriert, verleihen dem Getränk eine seltsam grünliche Farbe und werden zu allem Überfluss auch noch kurzerhand mitgetrunken. Wie das wohl schmeckt? Und schließlich nimmt uns Marcus Haid mit in die alte Kaiserstadt Kyoto mit ihren engen Gassen und den schönen antiken Häusern, wir besuchen das ländliche Japan im Norden von Honshu und statten dem Nationalpark auf der Insel Hokkaido einen Besuch ab.

Bei all den schönen Bildern darf jedoch die Vergangenheit nicht fehlen. In einem sehr professionell aufbereiteten Einspieler werden die Zuschauer über die Historie Japans aufgeklärt. Angefangen beim Widerstand gegen die mongolischen Eroberer im 13. Jahrhundert, über den Abwurf der Atombombe im Zweiten Weltkrieg bis hin zu der Nuklearkatastrophe von Fukushima – da herrscht dann doch erstmal eine Weile betroffene Stille im Publikum.

Schnell neigen sich die zwei Stunden geballte Information, unterlegt mit tollen Bildern und wunderbarer japanischer Musik, dem Ende zu. Und auch hier, zum Abschluss, macht Marcus Haid etwas, das andere Referenten nicht oft in ihr Programm integrieren: Er zeigt Fotos von sich auf seiner Reise, wie er mit der Kamera unterwegs ist, Menschen trifft, Naturschönheiten genießt. Überraschend bekommt der Zuschauer nun neben Haid, dem Reisereferenten, auch einen kleinen Eindruck von Haid, dem Reisenden. Eine tolle Idee! Und als sich Haid am Ende in seinem silber-braunen Kimono wieder vors Publikum stellt, sich leicht verbeugt, und einige Sätze auf japanisch spricht, da sind wir nochmal alle überrascht. Dabei hätten wir es ja eigentlich ahnen können…

Die Homepage von Marcus Haid: www.mh-reisefotografie.at

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