Abseitsreisen: Im Oldtimer bis ans Ende der Welt

Abseitsreisen 01Es gibt diese Menschen, die träumen ihr Leben lang von einer großen Reise. Und es gibt solche, die denken nicht lange darüber nach, sondern machen das einfach. So wie Sabine Hoppe und Thomas Rahn aus Amberg. Die beiden sind 2009 mit einem 30 Jahre alten Mercedes LKW aufgebrochen, um die Welt zu umrunden. Fünf Jahre und neun Monate waren sie unterwegs, haben 120.000 Kilometer zurückgelegt und 54 Länder durchquert. Vor Kurzem sind die beiden 35-jährigen wieder in die Heimat zurückgekehrt und haben flugs ein paar Reisevorträge auf die Beine gestellt. Gestern haben wir uns einen davon angesehen: „Wildes Südamerika“. Prädikat: Obergenial!

Als ich zum ersten Mal davon gehört hatte, dass Thomas und Sabine sechs Jahre mit einem Allrad-Ungetüm um die Welt getourt sind, hat sich unweigerlich in meinem Kopf ein Bild der beiden geformt. Ich habe sie mir verwegen vorgestellt, abgehärtet, mit allen Wassern gewaschen und war gedanklich fast ein bisschen eingeschüchtert. Als Thomas und Sabine im brechend vollen Vortragssaal dann auf einmal vor uns standen, war ich deshalb erstmal ziemlich überrascht: Zwei supernette, offene Menschen, denen man ihr grandioses Abenteuer in keinster Weise anmerkt. Das sind diese Art von Abenteurer, die zeigen: Jeder kann kann seinen Traum leben; jeder kann seinen Alltag in eine Reise umfunktionieren, wenn er sich nur aufrafft und loszieht. Da hatte der Vortrag noch gar nicht angefangen und ich habe schon geahnt, dass das gut wird.

Zunächst ist zu erwähnen, dass Thomas und Sabine etwas gemacht haben, was in der Reisevortragsbranche seinesgleichen sucht: Statt ihre gesamte Reise in einen einzigen, zweistündigen Vortrag zu quetschen, haben sie ihn in fünf einzelne Vorträge aufgeteilt, geordnet nach Kontinenten. Eine Reisevortrags-Serie sozusagen, die in ihrer Gesamtheit das Bild vom großen Ganzen ergibt. Als wir also im Abseitsreisen PlakatRahmen des Vortrags „Wildes Südamerika“ in Kolumbien loslegen, sind die beiden bereits mehrere Jahre unterwegs. Zwölf Monate haben sie sich Zeit genommen um den südamerikanischen Kontinent zu durchqueren und den südlichsten Punkt Feuerlands zu erreichen. Und als Thomas dann anfängt zu erzählen, da ist schnell klar: Das ist ein Reisevortrag, so wie er sein soll. Keine langweilige Aneinanderreihung vermeintlicher Touristenhighlights, keiner dieser „Harmonievorträge“, in denen ausschließlich Positives erzählt wird, keiner dieser Vorträge bei denen man denkt „naja, hatte halt jemand das Bedürfnis, seine Urlaubsbilder zu zeigen“. Ganz im Gegenteil: Hier erzählt jemand seine ganz persönliche Reise. Und die spielt sich nicht in Bogotá, auf der Panamericana oder auf sonstigen ausgetretenen Pfaden ab, sondern dort, wo man mit einem Allrad-LKW gut hinkommt. Dort, wo man auch mal im Schlamm stecken bleibt. Oder vor lauter Neuschnee den Weg nicht mehr erkennt. Dort, wo der Standard-Tourist sagen würde „Hä? Wo? Noch nie gehört“.

Abseitsreisen 02Der Schwerpunkt der Story war also nicht nur ziemlich unerwartet, sondern auch ziemlich genial. Ich habe noch bei keinem Südamerika-Vortrag so viel Neues erfahren, und war ständig gespannt, was als nächstes kommt. Mit viel Begeisterung und ebenso viel Witz hat Thomas volle zwei Stunden lang berichtet; das Ganze untermalt von ebenso schönen Fotos. Besonders interessant für mich war ein Bild der Nazca-Linien von ganz nah – ich kannte zwar Kolibri & Co. aus der Vogelperspektive, aber nicht den direkten Anblick dieser in den Grund gescharrten Linien vom Boden aus.

Und dass Thomas und Sabine doch ziemliche Hardcore-Abenteurer sind, haben sie dann natürlich auch noch bewiesen. Spätestens als sie von ihrer Tour über die Carretera del Cañón del Pato in Peru erzählt haben, war klar: Die schrecken vor nichts zurück. Besagte Straße besteht aus 35 in den Berg gehauenen, einspurigen Tunneln und gehört zu den gefährlichsten Straßen der Welt. (Nähere Infos und ein paar gruselige Fotos gib’s hier.). Logischerweise haben sie auch die berühmte Death Road in Bolivien befahren und auch vor einem Besuch der Minen im Cerro Rico in Potosí haben sie nicht Halt gemacht. Niemals, wirklich niemals hätte ich dazu den Mut gehabt. Aber anderen dabei zuzusehen, da sag ich nicht nein.

Als der wirklich immens kurzweilige Vortrag aus war, haben Lars und ich uns sofort die Tickets für die nächste Etappe von Thomas‘ und Sabines Reise gekauft: Diesmal geht’s nach Afrika. Wir freuen uns drauf!

Hier der Link zum Blog von Sabine und Thomas: www.abseitsreisen.de

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *